A. Die fünf Hemmungen (nīvaraa) - zuerst die Zusammenfassung:
1. Sinnesbegehren (kāmachanda) kann vertrieben werden durch:
• Es als ungünstigen Gegenstand der Meditation betrachten.
• Die Entfaltung von jhāna mit dem Gedanken an ein sinnlich ungünstiges Objekt.
• Überwachter Zustand der Kontrollfähigkeiten
• Maßhalten beim Essen
• Mitgefühl und Unterstützung guter Menschen in ihren Bemühungen.
• Anregende Gespräche, die bei der Bewältigung des betreffenden Objektes helfen.
2. Übelwollen (vyāpāda) kann vertrieben werden durch:
• Praktizieren von Liebender-Güte-Meditation.
• Die Entfaltung von jhāna mit dem Gedanken an liebende Güte.
• Betrachtung darüber, dass jemandes Taten Eigentum von ihm sind.
• Der Reichtum der weisen Betrachtung.
• Freundliche und hilfreiche Freundschaft mit guten Menschen.
• Anregende Gespräche, die bei der Entwicklung von liebender Güte helfen.
3. Mattigkeit und Müdigkeit (thīna-middha) können vertrieben werden durch:
• Sehen, dass Mattigkeit und Müdigkeit durch zu viel Essen hervorgerufen wird oder von Gefräßigkeit (das bedeutet Maßhalten beim Essen)
• Das komplette Ändern der Körperhaltung.
• Betrachtung über die Wahrnehmung von Licht.
• Stehen im Freien.
• Freundliche und hilfreiche Freundschaft mit guten Menschen.
• Anregende Gespräche, die bei der Vertreibung von Mattigkeit und Müdigkeit helfen.
Die acht Wege, die durch Maha Moggalana aufgezeigt wurden:
1. Vergesst den Gedanken an Schläfrigkeit.
2. Denkt über den dhamma nach.
3. Rezitiert den dhamma.
4. Zieht an euren Ohrläppchen und massiert oder reibt eure Glieder mit den Händen.
5. Steht auf, wascht und reibt eure Augen mit Wasser, schaut in die Ferne, den Himmel oder auf die Sterne.
6. Reflektiert über Gedanken von Licht.
7. Fixiert eure Gedanken an das Ende der Glieder
8. Wenn all diese sieben Wege versagen, schlaft. Seid bewusst des Momentes vom Aufwachen und beim Aufwachen steht schnell auf und denkt dabei, dass man sich selbst nicht die Bequemlichkeit des Niederliegens und der Schwäche vergeben wird.
4. Unruhe und Sorgen (uddhacca kukkucha) können vertrieben werden durch:
• Das Kennen der Schriften
• Befragung zur Praxis im Orden.
• Das Verstehen der Disziplinarregeln
• Verbindung mit solchen, die erfahrener in der Praxis und der Tugend sind als man selbst
• Freundliche und hilfreiche Freundschaft mit guten Menschen.
• Anregende Gespräche, die helfen bei der Vertreibung von Unruhe und Sorgen.
5. Skeptischer Zweifel (vicikicchā) kann vertrieben werden durch:
• Bewandert sein in der Lehre
• Nachforschungen über den Buddha, die Lehre und den heiligen Orden anstellen.
• Gründlich die Natur der Disziplin verstehen.
• Entschieden sein (im Vertrauen) über die Wahrheit der drei Kleinodien.
• Freundliche und hilfreiche Freundschaft mit guten Menschen.
• Anregende Gespräche, die helfen bei der Vertreibung von skeptischem Zweifel.
Zusätzlich zeigt die Lehrrede über Gedankenformen (vitakka santhena sutta) verschiedene Wege um unreine und unmoralische Gedanken zu überwinden.
• Die Überwindung eines unmoralischen Gedankens durch einen moralischen. (Dies ist ein Prozess des Ersetzens oder der Substitution. Dies kann man effektiv mit einem reinen Gedanken machen, dessen Natur der besonderen Befleckung gegenübersteht.)
• Durch Erkennen der Gefahr durch den unmoralischen Gedanken, durch Kontemplation über die Gefahr solch übler Gedanken.
• Durch das Ignorieren dieser üblen Gedanken und durch Vergessen werden sie verschwinden.
• Durch Ändern der Funktion und Form des Gedankens.
• Durch Unterwerfen und ihrer Bezwingung durch reine Willenskraft.
A. Die fünf Hemmungen (nīvaraa)
In den ersten paar Tagen eines intensiven Retreats oder der anfänglichen
Meditationsphase, werden die Anfänger die Hemmungen in ihrer vollen
Stärke erleben.
Diese Hemmungen sind geistige Befleckungen. Sie werden in fünf
Gruppen eingeteilt:
1. Kāmachanda – Sinnesbegehren
2. Vyāpāda – Übelwollen
3. Thīna-midha – Mattigkeit und Müdigkeit
4. Uddhacca kukkucca – Unruhe und Sorgen
5. Vicikicchā – skeptischer Zweifel
Diese Hemmungen müssen eine Zeit lang überwunden werden, damit die „Rechte Konzentration“ stark genug wird um als Einsichtsbasis zu fungieren. Diese anfänglich angetroffene Schwierigkeit ist normal, da man am Anfang noch nicht so viel Achtsamkeit hat. Man muss sich auch erst an die sehr harte Übung während des Retreats gewöhnen. Die anfängliche Phase ist eine kritische Periode, da den Hemmungen nicht erlaubt werden darf zu lange im Geist zu verbleiben, speziell zu Zeiten, wenn sich die Konzentration aufbaut. Wir müssen sehr vorsichtig sein keine falsche Konzentration zu bekommen. Es ist deshalb dringend notwendig, dass die Meditierenden, die die Methode noch nicht richtig erfasst haben, geduldig sind und sich nicht antreiben. Dies wird ihnen helfen sich von den Hemmungen zu befreien. Der sicherste Weg ist, der Achtsamkeit zu erlauben sich mit einem Minimum an Stress zu entwickeln.
Wenn die Hemmungen auftauchen, gibt es zwei Methoden, die eingesetzt werden können um sie zu überwinden:
1. Vipassanā-Methoden
a) Die Achtsamkeit wird auf die betreffende Hemmung gerichtet
b) Die Achtsamkeit wird auf andere Objekte als die Hemmung gerichtet
2. Nicht-Vipassanā-Methoden
a) Entwicklung des gegenteiligen heilsamen geistigen Zustandes
b) Andere Methoden, z. B. Bedingungen erzeugen, die zu reinen geistigen Zuständen führen.
Sinnesbegehren (kāmachanda)
Sinnesbegehren ist Verlangen hinsichtlich der Anhaftung am Vergnügen an den fünf Sinnesobjekten und den mit ihnen verbundenen Gedanken bezüglich ihrer Schönheit, Wonne etc.
Wir wurden in eine Welt geboren, die diese Sinne und Sinnesobjekte genießt und daran Vergnügen findet. Farbenfrohe Bilder, zauberhafte Musik, verführerische Parfüms, leckeres Essen, angenehm weiche Berührungen und fantasievolle, sinnliche Gedanken. Es ist wahr, dass sie mit einem gewissen Grad an Vergnügen und Freude einhergehen. Aber sie sind sehr flüchtig und wir müssen teuer für sie bezahlen. Diese Hemmung wird mit einer Schuld verglichen. Da wir diese Sinnesobjekte wollen, müssen wir ihretwegen und dem kurzen Moment des Vergnügens viel vorher und nachher Leiden. Außerdem ist der kurze Moment des Vergnügens selbst
nicht freudvoll. Aufregend vielleicht, aber nicht wirklich friedvoll.
Sinnesbegehren kann klar gesehen werden, wenn man es beim Erscheinen notiert. Während eines Retreats beachtet man die Sittenregeln etc. Gewisse Attraktionen und Ablenkungen werden dadurch auf ein Minimum reduziert. Aber Sinnesbegehren kann noch für jemanden, der herumschauen, hören und sprechen will, auftauchen. Wir müssen darauf wirklich sehr achtsam sein, indem wir „Begehren“ oder „Anhaften“ in dem Moment notieren, wenn es erscheint. Wenn wir dies tun, sollten wir uns sehr sicher sein, dass wir den mentalen Zustand achtsam notieren und nicht das begehrliche Objekt. Wir müssen unsere Achtsamkeit auch so stark und kontinuierlich wie möglich machen, da die Anwesenheit eines Sinnes begehrens selbst anzeigt, dass der Geist schwach ist. Wir müssen auch sicherstellen, dass wir das Sinnesbegehren mit Loslösung notieren, da wir sonst ohne unser Wissen wieder in die Anhaftung hineingleiten. Wenn wir dies können, werden wir feststellen, das Anhaften oder Sinnesbegehren eine Sache und das angenehme, begleitende Gefühl eine andere Sache ist. Das angenehme Gefühl, das nur einen kurzen Moment andauert und dann vergeht, erzeugt einen erhebenden Mantel der Begeisterung und legt ihn über den leidenden Zustand der Anhaftung, der diesen geistigen Zustand beherrscht. Wenn ihr dieses Sinnesbegehren, dessen spezifische Eigenschaft Anhaften am Objekt ist, achtsam betrachten könnt, werdet ihr es nicht nur als unbefriedigend ansehen, sondern auch als tatsächliches Leiden. Es ist ein hungriger Zustand, es wird mit einem Hungergeist verglichen. Es ist ein brennender Zustand. „Es gibt kein so starkes Feuer wie Begierde“ sagt ein Sprichwort.
Wenn wir achtsam sind, wird das entstandene Sinnesbegehren bald aufhören. Der Grund dafür ist, dass Sinnesbegehren und Achtsamkeit nicht zur gleichen Zeit existieren können. Ein anderer Grund ist, dass wir seine wahre Natur erkennen können. Das Problem ist, dass wir manchmal noch an sinnlichen Vergnügen hängen. Aber wenn wir rechtes Verstehen haben und uns entschließen, die Leidenschaft zu überwinden und in ihr keine Sekunde länger zu schwelgen, können wir uns von ihr befreien.
Die Methode, die geistigen Hemmungen direkt zu beobachten, dient deshalb zwei Zielen:
1. Den Geist von den Befleckungen zu läutern.
2. Die wahre Natur der Hemmungen bezüglich der drei universellen
Daseinsmerkmale (Unbeständigkeit, Unzulänglichkeit und Nicht-Selbst) zu verstehen.
Das direkte Beobachten des Sinnesbegehrens enthüllt auch andere Dinge, die wir dadurch überwinden können. Zum Beispiel können wir Bedingungen sehen, die viele verschiedene Formen des Begehrens verursachen, Bedingungen, die sie erhalten und Bedingungen, die sie auflösen.
Eine der Hauptbedingungen für ihr Entstehen ist die Anwesenheit eines attraktiven Objekts. So hilft Achtsamkeit auf die sechs Sinne sehr stark bei der Prävention und bei der Überwindung des Sinnesbegehrens. Nur wenn wir nicht achtsam auf die attraktiven Objekte an den Sinnestoren sind, entsteht Anhaften. Deshalb hilft es sehr, falls Sinnesbegehren entsteht, dass wir „Sehen, Hören, Schmecken“ etc. notieren. Wir werden dann auch wissen, dass das, was Begehren oder Vergnügen repräsentiert, in Wirklichkeit unbeständig, unzulänglich und Nicht-Selbst ist.
Es gibt Momente, wo das attraktive Objekt dominiert. In solchen Momenten kann es besser sein, dass wir es willentlich ignorieren und unsere Aufmerksamkeit auf ein anderes Objekt, das kein Anhaften, sondern Achtsamkeit verursacht, lenken. Ein Beispiel dafür ist, wenn ein Meditierender angenehme Zustände des Geistes erfährt. Indem er sie beobachtet, könnte er nach einiger Zeit an ihnen anhaften. Deshalb wird dem Meditierenden geraten - falls es nicht weggeht oder sich beruhigt, sondern stärker als zuvor da bleibt - auf ein weniger attraktives Objekt, wie „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke oder auf die „Sitzen-“ und „Berühren-“ Empfindung zu wechseln.
Diese Methode des Ignorierens kann man auch im hier folgenden, ziemlich humorvollen Rat vom Buddha an Ananda bezüglich des Verhaltens der
Mönche gegenüber Frauen antreffen:
„Wie sollten wir uns gegenüber den Frauen benehmen?“
„Als würden wir sie nicht sehen, Ananda.“
„Aber wenn wir sie sehen sollten, was machen wir dann?“
„Nicht sprechen, Ananda.“
„Aber wenn sie zu uns sprechen, Herr, was machen wir dann?“
„Wachsam sein, Ananda.“
Mahaparinibbāna sutta
Methoden um Sinnesbegehren zu überwinden, die keine Vipassanā-
Methoden sind, sind Meditationen mit Konzepten als Objekte. Zum Bei-
spiel beim Entwickeln des entgegengesetzten geistigen Zustandes (zu
Sinnesbegehren), kann man asubha bhāvanā machen. Das ist die Medita-
tion über die Widerlichkeit des Körpers. Wenn es zu überwindende Lust auf
den Körper ist, kann man die Betrachtung der 32 Teile des Körpers oder die
Leichenbetrachtung etc. machen. Wenn es Gier nach Essen ist, gibt es die
Entwicklung der Widerlichkeit der Nahrung. Genauso können wir auch die
Widerlichkeit und Gefahr des Anhaftens an anderen Objekten betrachten.
Wie man diese Betrachtungen ausführt, ist aber nicht weiter Inhalt dieses
Buches.
Andere Nicht-Vipassanā-Wege, die mit dem Sinnesbegehren kämpfen,
sind die 13 asketischen Übungen der Mönche. Zum Beispiel mag ein
Mönch darunter diejenige auswählen, in der er nur drei Roben besitzt. Eine
Praxis, die hinsichtlich der Kleidung zur Zufriedenheit führt. Hausleute
können auch einen gewissen Grad an Askese praktizieren. Wir können uns
auch mit Zufriedenheit verbinden und uns von der Gier abwenden.
Diese letztgenannten Methoden, die Konzentration auf ein konzep-
tionelles Objekt beinhalten, werden unter Samatha-Meditationen klassi-
fiziert. In welchem Masse wir uns mit ihnen auseinander setzen, hängt von
unserem individuellen Temperament ab. Normalerweise ist es nicht notwendig sehr lang in solchen Betrachtungen zu verweilen um die Hemmungen zu überwinden und zur Vipassanā-Meditation zurückzukehren.
Wenn wir jedoch mehr Zeit mit ihnen verbringen, wird sich die Konzentration erhöhen und dies benötigt weitere Fertigkeiten im Umgang mit dem Geist. Hier liegt auch die Grenze zwischen jemandem, der reine Vipassanā-Meditation praktiziert und jemandem, der Ruhe als Meditationsbasis entwickelt. Wenn jemand eine solche starke Ruhebasis entwickeln will, dann wird die ganze anfängliche Anstrengung auf die Ruhepraxis gerichtet. Aber für einen Hausmann, der nicht so viel Zeit übrig hat, ist es nicht schwer zu verstehen, warum er das reine vipassanā wählen muss.
Übelwollen (vyāpāda)
Die zweite Hemmung „Übelwollen“ gehört zu den zornigen Zuständen des Geistes. Es ist ein gewalttätiger Zustand, der das Gedeihen und das Glück von einem selbst und anderen zerstören will. Er erscheint in vielen Formen und ist wegen seiner groben Natur und wegen dem unangenehmen Gefühl, mit dem er daherkommt, leichter zu erkennen als Sinnesbegehren.
Wie bei allen Befleckungen ist es leichter sie zu überwinden, wenn sie früh erkannt werden. Wir notieren achtsam „Zorn, Zorn“ oder „Angst“ „Eifersucht“, in welcher Form das Übelwollen auch erscheinen mag. Während des Notierens sollte man so ruhig wie möglich bleiben. Wenn man achtsam auf den Zorn ist, ist es wie das Fahren auf einer gewundenen schlechten Straße mit vielen Schlaglöchern und Steinen. Man muss sehr wachsam, vorsichtig und stabil sein. Es ist wie als wenn sich ein Meditierender inmitten von gewalttätigen im Streit liegenden Gruppen befindet, um ihre Differenzen zu lösen. Man muss ruhig bleiben, aber nicht so lax, dass man von beiden Seiten gehauen wird.
Wenn wir achtsam auf die Eigenschaft des Zornes - das ist die Grausamkeit oder das Verletztenwollen ihrer Objekte - sein können, werden wir sehen, dass es ein sehr unbefriedigender Zustand des Geistes ist. Dennoch halten die Leute, die Hass oder Reue erdulden, an diesen widrigen geistigen Zuständen fest, ohne gewillt zu sein sie gehen zu lassen. Zorn ist niemals gerecht. Das Erkennen seiner wahren Natur bringt einen dazu ihn wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen.
Man sollte den Zorn solange, bis er gänzlich verschwindet, auch losgelöst vom Ich-Konzept, dem „Mein“ etc. , beobachten. Wenn der Zorn immer noch da ist, muss man andere Maßnahmen oder Taktiken, wie den Geist auf ein anderes Objekt lenken, anwenden.
Eine der Hauptbedingungen für das Entstehen von Ärger ist das abstoßende Objekt. Ein normales abstoßendes Objekt, auf das der Meditierende stößt, ist Schmerz. Physische schmerzhafte Empfindungen sind oft Objekte der Vipassanā-Meditation. Schließlich ist Schmerz oder dukkha eines der drei allgemeinen Daseinsmerkmale der Existenz, die verstanden werden müssen. Mein burmesischer Lehrer benutzte die Beobachtung des Schmerzes um Meditierende zu heroischen Anstrengungen zu ermutigen. Ein anderer Lehrer nannte den Schmerz den guten Freund des Meditierenden.
Nicht wichtig, wie wir ihn betrachten, wir müssen geduldig sein, wenn wir ihn beobachten. Die meisten der unangenehmen Objekte, die wir im Alltag antreffen, können leicht mit Achtsamkeit, indem wir uns anstrengen sie beim Entstehen zu notieren, behandelt werden. Jedoch gibt es auch andere Momente, in denen wir andere Methoden benutzen müssen, da unsere Achtsamkeit und Einsicht noch nicht reif genug ist. Abhängig von der Natur des Übelwollens, kann der gegenteilige geistige Zustand wachgerüttelt werden. Zur Einfachheit können wir vyāpāda in drei Kategorien einteilen:
1. Übelwollen gegenüber Lebewesen
2. Traurigkeit, Kummer und Jammer
3. Angst
Übelwollen gegenüber Lebewesen
Es mag verschiedene Gründe geben, warum eine Person einer anderen übel will. Aber keiner von ihnen ist gerechtfertigt. Diese Emotionen des Übelwollens können so stark werden, dass man sogar überlegt seinen Feind zu töten. Die Entwicklung der Wohnstätten der Götter (brahmaviharas) können helfen das Übelwollen zu überwinden. Das ist in diesem Fall die Liebende-Güte-Meditation, die den Zorn und Hass gegenüber den Lebe- wesen überwindet. Es gibt auch die Entwicklung von Mitgefühl gegenüber den leidenden Lebewesen, die die Grausamkeit überwindet, die Meditation der Mitfreude gegenüber allen glücklichen Lebewesen oder die Entwicklung von Gleichmut. Neben dem Überwinden der Hemmungen und der Erzielung zur Konzentration, gibt es noch andere vielfältige Vorteile, die durch die Praxis dieser Meditationen gewonnen werden können.
Traurigkeit, Kummer und Jammer
Dies sind unglückliche geistige Zustände, die normalerweise durch ein Ereignis der Trennung oder des Verlustes von etwas uns sehr Nahestehendem hervorgebracht werden. Dies kann Eigentum betreffen oder geliebte Personen. Je tiefer und stärker die Anhaftung, desto schmerzhafter ist es, wenn die Zeit der Trennung kommt. Die Entwicklung von Gleichmut hilft uns diese Sorgen zu beschwichtigen. Hier reflektieren wir über kamma und seine Resultate in Bezug zu uns selbst und anderen. Wir können auch über das letztendlich kommende Alter, die Krankheit und den Tod reflektieren. Die Achtsamkeit, wenn man mit solch Kontemplationen beschäftigt ist, muss sehr losgelöst sein.
Angst
Wir fürchten das Unbekannte, Geister, Verrückte, Höhen, Krankheiten etc. Es gibt einen großen Bereich an Phobien und Paranoia, unter denen die Leute leiden können. Angst wird durch Panik, Zittern und Verwirrung charakterisiert. Achtsamkeit, die damit beschäftigt ist die Angst zu notieren, sollte sehr fest sein, damit sie den zitternden Geist für eine ausreichend lange Zeit stillhalten kann. Vertrauen und Mut sind auch hilfreich. Wenn jemand ganz verloren ist, kann man schnell die Betrachtung der Vorzüge der drei Kleinodien (Buddha, dhamma, sangha) aufgreifen. Häufige Erinnerung daran ruft zusätzlich auch noch eine Menge Freude hervor.
Mit was für anderen unterstützenden Bedingungen kann man das Übelwollen überwinden? Das Meditationshandbuch „Der Weg zur Reinheit“ (visuddhi magga) empfiehlt angenehmes Wetter, angenehme Behausungen, angenehme Bedingungen zur Nahrungssuche, angenehme Menschen, angenehme Körperhaltungen und noch Weiteres für das hassvolle Temperament.
Mattigkeit und Müdigkeit (thīna-middha) Thīna bezieht sich auf die Schwerfälligkeit und Unwilligkeit des Geistes. Es ist wie jemand, der sich weigert sich zu bewegen, seine Arbeit zu tun oder sich weigert in der Meditation achtsam zu notieren. Middha bezieht sich auf dieselben Bedingungen bei den mentalen Faktoren (cetasika). Der schwere und bewölkte Geist wickele den Meditierenden in einen solchen Zustand ein, verschleiert ihn, bis er das schließlich wegdöst und einschläft.
Diese Zwei entstehen zusammen und machen einen ziemlich schwach. Wie ein kranker Mann, der nicht lange sitzen und gerade laufen kann. Diese „geistige Müdigkeit“ muss von physischer Müdigkeit unterschieden werden. Aus Erfahrung hat sich gezeigt, dass für eine normalgesunde Person während eines intensiven Retreats vier Stunden Schlaf ausreichend für den Körper sind, um sich von der körperlichen Ermüdung (durch die Meditation am Tage) zu erholen. Natürlich mögen einige damit nicht übereinstimmen, insbesondere da erzählt wird, dass ein Mensch mindestens sieben oder acht Stunden Schlaf braucht. Ich denke, das gilt nicht für normale, gesunde Meditierende. Aber ich bin bereit zuzustimmen, dass der Körper Ruhe haben muss (trotz der Tatsache, dass einige begeisterte Meditierende es gerne auch ohne tun würden), speziell, wenn die Praxis noch nicht tief genug ist um für längere Zeit in der Vertiefung zu bleiben.
Wir müssen lernen die Schläfrigkeit sofort zu notieren, wenn sie entsteht. Oft sind wir nicht achtsam auf sie, bis wir von ihr ungünstig beeinflusst werden. Mattigkeit und Müdigkeit tragen zu einem schwachen, verschwommenen, stillen und trüben Geisteszustand bei. Deshalb müssen einige Fertigkeiten entwickelt werden um sie zu überwinden. Untenstehend sind einige Punkte aufgelistet, derer man sich erinnern sollte, während man Mattigkeit und Müdigkeit bemerkt:
1. Scharfe Wahrnehmung ihrer Charakteristiken Hier kann man nicht mit reinem Achtsamsein zufrieden sein. Man sollte scharf und präzise die Natur der Schläfrigkeit notieren. Es ist ein schwer- fälliger, schläfriger und schwerer Geisteszustand. Nur indem man seine spezifischen Eigenschaften notiert, kann man später seine allgemeinen Eigenschaften (d. h. das Vergehen und auch die anderen zwei Daseinsmerkmale) erkennen.
2. Energisches Notieren Energie und Anstrengung sind das Gegenteil von Mattigkeit und Müdigkeit. Energie kann durch Folgendes entwickelt werden:
a) Betrachtung der Vorzüge der drei Kleinodien und der energiegeladenen Anstrengung des Buddha und seiner Schüler sich selbst anzuregen. Betrachtung über die Gefahr der Mattigkeit (wie das Geborenwerden in den jammervollen Zuständen) und die Vorteile der Energie.
b) Einen starken Entschluss fassen, energiegeladen zu notieren um diese Hemmung zu überwinden. Die wachgerüttelte Energie sollte leicht sein und ausgeglichen fließen.
c) Verstärktes Gedankenfassen (Mit dem Geist das Objekt fassen). Dies kann durch eine erhöhte Anzahl von kontinuierlichen Notierungen ohne Unterbrechung mit schnellem Tempo hervorgebracht werden. Solche Notierungen können besonders effektiv sein, wenn sie auf klare und grobe Objekte wie Schmerz oder die Berührungspunkte angewandt werden. Beispielsweise kann man die Berührungspunkte, drei oder mehr, in einer systematischen rhythmischen Art notieren um die Schwungkraft der Achtsamkeit zu erhöhen. Wenn die Schläfrigkeit bestehen bleibt, kann man aufstehen und Gehmeditation mit einem erhöhtem aber klaren Schritttempo machen.
Stehmeditation wurde oft für Meditierende empfohlen, die sich häufig mit dem schwierigen Kampf der Schläfrigkeit plagen. Es hat sich als sehr effektiv herausgestellt, da eine Menge Energie benötigt wird, um die Meditation während des Stehens aufrechtzuerhalten.
Andere Methoden als vipassanā zum Überwinden der Mattigkeit beinhalten die Entwicklung der Wahrnehmung von Licht. Die Natur des Lichts ist hell und ausdehnend, das Gegenteil von Mattigkeit und Müdigkeit. Diese Praxis betrifft die Kasina-Meditationen. Meditieren in einem hellen offenen Raum ist auch hilfreich. Auch das Denken und Rezitieren des dhamma stimuliert den Geist. Angemessene Gespräche fallen auch unter diese Methode. Dann gibt es noch das Gesicht oder die Hände waschen und rubbeln und an den Ohren ziehen. Das ist auch zu einem gewissen Grade effektiv. Wenn alles versagt, wenden einige Meditierende das Sitzen in einer sehr unangenehmen Stellung an um Schmerz hervorzurufen. Das mag sich entsetzlich anhören, aber es ist nicht so schlecht wie bei denjenigen, denen geraten wurde, auf Kanten, vor Klippen oder Löchern zu meditieren. Die Möglichkeit des Herunterfallens kann ja nicht ausgeschlossen werden.
Unruhe und Sorgen (uddhacca-kukkucca)
Uddhacca bedeutet Unruhe und kukkucca Sorgen. Sie beziehen sich auf einen turbulenten und genervten Geisteszustand, der wegen aller möglichen Dinge in alle Richtungen rennt. Der Meditierende wird verwirrt und ist unfähig sich zu beruhigen und seine Achtsamkeitsarbeit durchzuführen. Dieser Zustand tritt bei Anfängern auf, wenn sie sich nicht ihres wandernden Geistes bewusst sind. Sie sollten sich deshalb klar machen, dass, sobald ihr Geist wandert, sie das so schnell wie möglich notieren müssen. Da ihre Achtsamkeit noch nicht so scharf ist, müssen sie „Denken“ oder „Wandern“ so lange notieren, bis es aufhört. Noch einmal, dem Denken etc. darf nicht erlaubt werden länger als eine oder zwei Minuten lang anzudauern. Wenn das Denken oder Wandern bestehen bleibt, sollte man seinen Geist auf das Primärobjekt zurückzwingen. Wenn man in der Lage ist die Hemmung gut zu beobachten, wird man auch die verschiedenen Arten der Unruhe verstehen. Wie sie durch ihre Bedingungen entstehen, wie sie vorankommen und wie sie vergehen.
Wenn man den unruhigen denkenden Geist beobachtet, meint man zuerst oft, dass es dafür keine Ursache gibt. Aber bei näherer Betrachtung kann man erkennen, dass die Unruhe häufig um ein paar ungeordnete Problempunkte kreist. Es ist wie ein oder zwei ins Wasser geworfene Steine. Durch sie entstehen eine Menge Wellen und kleinere Störungen. Wir sollten hier einige der Ursachen für diese Hemmung herausfinden. Häufig kommt sie in Form von hartnäckigen Gewissensbissen und Ärger über getane und ungetane Dinge vor. Tatsächlich sind eine Menge dieser Dinge nicht sehr wichtig und können beiseite gelegt werden. Es wird immer Probleme oder zu lösende Dinge geben, die in dieser Welt getan werden müssen. Wenn wir die nötigen Schritte unternommen haben, ist all das, was wir tun können, warten. Kummer und Sorgen werden sicher nicht helfen. Aber Achtsamkeit wird helfen.
Wenn die Unruhe durch besondere Probleme oder Angelegenheiten verursacht wird, ist es ratsam, vor ihr auf der Hut zu sein. Das ist wie das Setzen von rotem Alarm um einen wildgewordenen Täter zu finden. Wenn wir ihn fangen und bezwingen können, dann ist das Problem gelöst. Solche Unruhe kann mehrmals in der Minute auftauchen, aber immer, wenn sie es tut, wird sie notiert. Mit der Zeit verliert sie ihre Stärke und verschwindet. Diese Methode kann auch auf eine hartnäckige Gewohnheit oder zum Ein- stimmen des Geistes angewandt werden.
Hartnäckige Arten von Unruhe können auch durch lang anhaltende Störungen an den fünf Sinnestoren, wie kontinuierliche Geräusche oder Schmerz, entstehen. Daraus resultiert, dass man unfähig ist das primäre Meditationsobjekt wie das „Heben“ und „Senken“ zu notieren. Dieses Problem trifft diejenigen mit „eckiger“ Achtsamkeit eher als solche mit „runder“. Das sind Leute, die rigide und unflexibel sind und auch solche, die davon besessen sind auf dem Objekt lange zu verbleiben. So eine Unruhe kann auch entstehen, wenn das Primärobjekt sehr fein und schwierig zu notieren ist, wenn es sich unerwartet verändert oder sich ein unerwartetes interferierendes Objekt einmischt. Das Resultat ist, dass der Geist durcheinander ist und unzufrieden wird. Unruhe ist dann das Endergebnis. Deshalb sollte man achtsam und kontinuierlich notieren. Die Achtsamkeit sollte flexibel genug sein die Objekte angemessen zu wechseln, wenn es notwendig ist. Das Vipassanā-Objekt ist ein sich veränderndes Objekt. Es beinhaltet auch Unzufriedenheit. Es benimmt sich nicht so und erscheint auch nicht so, wie wir es uns wünschen. Seid bereit dafür.
Ein anderer Grund für das Erscheinen der Unruhe ist, wenn die Fähigkeiten des Geistes nicht ausbalanciert sind. Wenn es z. B. zu viel Energie gibt und der Geist dadurch zu aktiv wird. Die Energiefähigkeit ist dann im Überschuss. Auch übermäßiges Vertrauen kann uns zu diesem Zustand führen. In diesem Fall ist das Entspannen der Energie wichtig. „Last but not least“ könnte man in der Lage sein, die Wurzel, durch die die Unruhe entsteht, zu entdecken. Es gibt diese drei üblen Wurzeln, Gier, Hass und Verblendung, die - sofern sie genau notiert werden - verschwinden. Es ist allerdings schwieriger für die Praxis, da die drei Wurzeln beim Entstehen nicht gleich erkennbar sind. Gier, Hass oder Verblendung, die die Unruhe verursachen, mögen noch da sein, obwohl das aktive Denken schon aufgehört hat. Man sollte das alles achtsam beobachten, bis es vollständig aufhört. Dann wird der Geist frei von der Hemmung sein. Wenn er abrupt von Unruhe und Sorgen befreit ist, erfährt der Geist etwas wie eine unerwarteten „Angriff“ der Ruhe. Ähnlich ist es, wenn er von Mattigkeit und Müdigkeit befreit ist. Es ist, als ob dunkle Wolken sich verteilt haben und die helle Sonne wieder scheint. Wenn wir jedoch Spuren der Hemmungen zurücklassen, laden wir sie nur zum Wiederkehren ein. Das schnelle Jäten macht einen frischen klaren Grund, der auch noch besser als zuvor ist. Wie man sieht, ist die ganze Sache der Unruhe sehr kompliziert, da alle Befleckungen beteiligt sein können. Nur durch wirklich kontinuierliche Achtsamkeit kann sie ausreichend abgewehrt werden.
Zusammengefasst gehen wir diese Hemmung so an:
1. Notieren „Denken, Denken“, bis sie verschwindet
2. Wenn sie mehr als ein bis zwei Minuten bleibt, ignoriert sie und
bringt den Geist auf das Primärobjekt.
3. Wenn die Hemmung immer noch da ist, versucht die Natur der Un-
ruhe zu identifizieren und zwar in der Weise, dass ihr versucht die
Ursache, die üble Wurzel, herauszufinden und entsprechend mit ihr
umgeht. Das heißt durch mehr Notieren.
Manchmal kommt ein Meditierender und fragt: „Ich denke der Geist ist völlig verrückt. Manchmal denkt er wirklich schreckliche Dinge, auch über meinen Lehrer und den Buddha. Das ist sehr schlechtes mentales kamma.
„Warum entsteht das und wie kann ich damit umgehen?“ Es entsteht durch die Befleckungen. Um sie zu behandeln, muss man zuerst die Natur der Befleckungen erkennen und dann die angemessenen Mittel einsetzen.
Es gibt auch andere Mittel störende Gedanken wie diese zu beseitigen.
Diese werden ausführlich in der Lehrreden über Gedankenformen oder dem SatipaSShāna-Sutta behandelt. Einige dieser Mittel sind:
Korrekter Umgang und Gespräche mit hilfreichen und freundlichen Gefährten, die rechte Ansicht erworben haben, die Gefahr der Unruhe und die Vorteile der Konzentration etc. betrachten. Als letzter Ausweg wird in der Lehrrede über Gedankenformen geraten, den Geist mit dem Geist zu bekämpfen. „Mit zusammengepressten Zähnen, mit der Zunge gegen den Gaumen gepresst. Wenn er so widersteht, dann herrscht der Geist über den Geist. Diese üblen Gedanken verbunden mit Gier, Hass und Verblendung wird man auf die Art los und sie kommen so zu ihrem Ende“ Indem man sie los wird, wird der Geist stetig, beruhigt sich und ist einspitzig konzentriert.
Skeptischer Zweifel (vicikicchā)
Vicikicchā, die fünfte Hemmung, bezieht sich auf den verwirrten und perplexen Zustand des Geistes, der einen skeptisch und ungläubig gegenüber dem, was wahr ist (in diesem Fall die drei Kleinodien), macht. Man sollte dies jedoch von einem gesunden Zweifel, wie er im kalama sutta (Anzweifeln, was angezweifelt werden sollte) beschrieben wird, unterscheiden. Das Letztere ist in Wirklichkeit die Fähigkeit „Wissen“, die versucht den Weg zu verstehen.
Skeptischer Zweifel entsteht in einem, der über das nachdenkt, was jenseits seiner Fähigkeit liegt. Dhamma ist jenseits logischem Denkens, das auf der Stufe der Konzepte abläuft. Das Resultat ist, dass solche Leute verwirrt und unentschlossen enden. Dies lähmt den ganzen Prozess derjenigen, die auf dem Weg vorankommen möchten. Die Methode, die Zweifel zu notieren, hilft in den meisten Fällen. Die hartnäckigeren Zweifel können durch ein Interview mit dem Meditationslehrer geklärt werden.
Ein echtes Problem entsteht bei Leuten, die mit wenig oder ohne Glauben in die drei Kleinodien zum Meditieren kommen, ohne den vollen Zweck, die Praxis und die Natur des dhammas richtig verstanden zu haben.
Richtiges theoretisches Verständnis entfernt zum großen Teil all diese Skeptischen Zweifel, wie es auch für adäquaten Glauben sorgt. Dieser Glauben sorgt dafür, dass jemand in seiner Praxis lang genug durchhält und dann letztendlich durch die Vipassanā-Praxis über noch mehr Glauben verfügt.